12. Leondinger Schach-Open
Aus Schach.at
- 31. August bis 6. September 2009
Berichte von Peter Stadler
Inhaltsverzeichnis |
1. Runde
- 31. August 2009
Enttäuschte Gesichter bei den Veranstaltern zu Beginn: Mit nur 47 Teilnehmern wurde das Nennungsergebnis des Vorjahrs bei weitem verfehlt. Erfreulich dagegen, dass fünfzehn Jugendliche den Weg nach Leonding fanden. Die „Meister von morgen“ zeigten sich auch keineswegs gewillt, den „Erwachsenen“ die Punkte zu überlassen.
Lukas Kepplinger nützte die unkonventionelle Eröffnung von Erwin Rumpl, um gleich kräftig mitzuspielen. Nach interessanten Scharmützeln gab es ein Remisendspiel mit ungleichen Läufern, auch wenn es Rumpl nicht gleich glauben wollte. Gegen die Papierform auch das Remis von Florian Charaus gegen Alfons Ziegler. Dagegen gehört es schon zur Leondinger Tradition, dass Lokalmatador Alfred Wawricka in der ersten Runde nichts zusammenbringt und erst im Lauf des Turniers zu seiner Form findet – wir werden sehen.
Das „Zuckerl“ der der ersten Runde hätte Andrea Nagy beisteuern könne, die Andreas Luger die Qualität abnahm, diese aber im Endspiel doch nicht verwerten konnte.
2. Runde
- 1. September 2009
Dieser Abend hatte es wahrlich in sich. Es hat sich so viel Bemerkenswertes ereignet, dass es kaum in einem Bericht unterzubringen ist. Die Favoriten Hermann Knoll, Christian Weiß und Wolfgang Wadsack erledigten ihre Aufgaben ohne Probleme.
Nach eher ruhigen Partien zum Start wurde in dieser Runde richtig „Gas gegeben“! Kevin Wimmer holte mit einer prächtigen Kombination den König von Pero Dumancic ans Tageslicht, was seiner Majestät nicht gut bekam. Die zweite Sensation schaffte Andrea Nagy, die sich von der heftigen Attacke ihres Gegners nicht beirren ließ und im Konter Figur und Partie gewann.
Nicht ganz freiwillig fand Gerhard Moherndl den Weg in den Rundenbericht, als er im Endspiel mit Mehrfigur recht sorglos agierte und sich schließlich gefallen lassen musste, dass der einzige verbliebene gegnerische Turm seinem König Dauerschach bot. Da ging schon fast unter, dass Michael Ramsauer gegen Leopold Surtmann nach phantastischer Endspielleistung scheinbar durch schiere Willenskraft gewann. Hans-Dieter Wiesner und Christian Fugger lieferten einander trotz beiderseitiger Zeitnot einen pointen- und finessenreichen Schlagabtausch, den man nur nachspielen, nicht aber nacherzählen kann.
Nebenbei: Was bedeutet die Notiz „1:0“ auf dem Partieformular? Nun – Weiß gewinnt wäre zu einfach, oder? Es heißt vielmehr „Ich habe gewonnen!“. So geschehen, als ein Spieler, der die schwarzen Steine geführt hatte, mit stolzgeschwellter Brust sein Formular abgab und ganz erstaunt war, als er hörte, dass er seinen Gegner hatte gewinnen lassen (zum Glück hatte er das Matt auf dem Formular vermerkt, wer weiß, was sonst hätte passieren können!).
3. Runde
- 2. September 2009
Das Spitzentrio agiert weiter souverän, wenn Hermann Knoll auch einige bange Momente zu überstehen hatte, weil Michael Ramsauer die Eröffnungsvariante erriet und bestens vorbereitet war.
Mit weißer Weste auch noch Kevin Wimmer, der schon den zweiten Überraschungssieg landete. Diesmal widerlegte der Steyrer die allzu kühne Konzeption von Hans-Dieter Wiesner klar. Überraschend auch der Erfolg von Florian Mostbauer über Erich Binder. Mostbauer nützte die verunglückte Eröffnung seines Gegners aus, um die Partie in eine günstiges Endspiel überzuleiten, das er tadellos zum Sieg führte. Bemerkenswert auch die Abwehrleistung von Michael Wadsack. Der junge Amstettner trotzte erfolgreich den Angriffsbemühungen von Daniel Ly und erzwang bald das Remis.
Nebenbei: Die Brüder Dumancic agieren bislang recht einträchtig im Turnier. In der 2. Runde unterlagen beide, heute haben beide gewonnen, wobei die Partien zudem in der gleichen Minute zu Ende gingen!
4. Runde
- 3. September 2009
Einen heroischen Kampf lieferte Kevin Wimmer gegen Christian Weiß, letztlich setzte sich die größere Klasse durch.
Dramatik pur in der Partie Knoll – Wadsack: Nach einem Figurenopfer von Knoll stand das Brett in Flammen. Wadsack gab das Material zurück und opferte seinerseits die Qualität, was zu der merkwürdigen Situation führte, dass eine Zeitlang beide Spieler gleichsam aneinander vorbei spielten, Wadsack auf den weißen Feldern, Knoll auf den schwarzen. Schließlich war das Materialübergewicht entscheidend.
Michael Ramsauer wurde in klar gewonnener Stellung das Opfer einer teuflischen Falle, die Schlusskombination von Stanko Dumancic war wirklich sehenswert. Ansonsten viele sehr spannende Partien, in manchen lag die Sensation in der Luft, am Ende setzten sich aber doch die höher eingestuften Spieler durch. Christian Fugger und Andrea Nagy wollen einander offenbar Rang eins für die meiste Spielzeit streitig machen. DA sie aber heute gegeneinander – natürlich die längste Partie - spielten, konnte keiner einen „Vorsprung“ gewinnen. Gewonnen hat die Partie Fugger, nachdem Nagy einen Müdigkeitsfehler beging. Nebenbei: Heute war der „Tag des leichtsinnigen Umgangs mit der Dame“, nicht weniger als drei Schachfreunde stellten die ihre mehr oder minder einzügig ein.
5. Runde
- 4. September 2009
Ein überraschendes Remis am Spitzenbrett und ein ebensolches im Bruderduell Dumancic läuteten die Runde ein. Die Remisen dominierten überhaupt an den vorderen Brettern, aber alle kamen nach harten Kämpfen zu Stande. Profitiert hat davon Erwin Rumpl, der gegen Robert Ganglberger nicht ohne Fortune gewann und zur Spitze aufschloss. Der Unglücksrabe der Runde war Martin Atteneder, der mit einem prächtigen Damenopfer die gegnerische Königsstellung zertrümmerte, sich aber dann in einem Anfall von Schachblindheit mit Dauerschach begnügte, statt in zwei Zügen Matt zu setzen.
Im Duell der Meister von morgen herrschte nach einem mutigen Figurenopfer von Michael Wadsack völliges Chaos auf dem Brett, die Bewertung pendelte mehrfach zwischen „plus-minus“ und „minus-plus“. Am Ende war Florian Charaus der Glückliche. Die längste Partie spielten Hans-Jürgen Koller und Emmerich Bumberger. Koller war nach der Eröffnung klar im Vorteil, machte dann aber einen schweren Fehler und musste die Partie gleichsam zum zweiten Mal gewinnen – was aber gelang.
Nebenbei: Die Galerie der Kiebitze war heute stärker besetzt als das Turnier selbst!
PS: Nicht vergessen – Spielbeginn am Samstag schon um 14:00 Uhr!
6. Runde
- 5. September 2009
Nur eine kleine Vorentscheidung in den „Gigantenduellen“: Christian Weiß übernimmt mit einem Sieg gegen Wolfgang Wadsack nach prächtiger positioneller Leistung die Spitze. Erwin Rumpl und Hermann Knoll landen nach pointierten taktischen Scharmützeln rasch in einem remislichen Turmendspiel.
Aufgeschlossen hat Hans-Dieter Wiesner, der Pero Dumancic im typischen Wiesnerstil auskombinierte. Herangekommen ist auch Robert Ganglberger nach Sieg im wilden Zeitnotduell im Endspiel gegen Stanko Dumancic.
Zwei Spieler aus dem Mittelfeld der Startliste machen weiter von sich reden: Anton Menges rettete seine bedenkliche Position gegen Michael Ramsauer ins Remis, wobei im allerdings alle Schachengel zur Seite standen. Gerhard Moherndl, beflügelt vom gestrigen Überraschungspreis, schnappte Christian Fugger eine Figur weg und das war dann genug, obwohl „Fuggi“ kämpfte wie ein Löwe. Die beiden liegen mit je 4 Punkten in der erweiterten Spitze.
PS: Nicht vergessen – Spielbeginn am Sonntag schon um 10:00 Uhr!
7. Runde
- 6. September 2009
Christian Weiß gewann in der letzten Runde überzeugend gegen Erwin Rumpl und sicherte sich damit mit 6,5 Punkten den alleinigen Turniersieg. Hermann Knoll gewann ebenfalls überzeugend gegen Hans-Dieter Wiesner und wurde Zweiter. Rumpl profitierte davon ,dass sein Verfolger Robert Ganglberger ebenfalls unterlag, als er eine feine Falle von Alfons Ziegler übersah. Damit blieb der Amstettner auf Platz drei. Ziegler schloss damit ebenso zu Rumpl auf wie die Steyrer Jungstars Kevin Wimmer und David Schellmann.
Im zweiten Viertel blieb Schellmann und Ziegler und Florian Mostbauer erfolgreich. Das dritte Viertel sah mit Lukas Kepplinger ebenfall die Jugend in Front, vor Gerhard Moherndl und Richard Karlhuber. Im vierten Viertel schließlich gewann überlegen der junge Nettingsdorfer Florian Charaus vor Andrea Nagy und Franz Grünwald. Die Jugendwertung gewann Kevin Wimmer vor David Schellmann und Daniel Ly.
Die Siegerehrung nahm Sektionsleiter Dipl.-Ing. Peter Weiß und Schiedsrichter Peter Stadler vor.
Nebenbei: Die letzte Runde war die erste, in der es keine Überraschung gab – die Papierform feierte Triumphe!